Düsseldorfer Oberstaatsanwalt zum Fall Paul: So verwischte Werner C. seine Spuren

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Während Paul (12) wieder daheim in Gunzgen SO ist und in den Alltag zurückfinden will, dauern die Ermittlungen in Düsseldorf (D) an. Wie der aktuelle Stand ist und was Pauls Peiniger (35) droht, darüber hat BLICK mit dem deutschen Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück gesprochen.

Seit Mittwoch ist Paul (12) wieder zu Hause in Gunzgen SO – und versucht, gemeinsam mit seinen Eltern und in psychologischer Begleitung irgendwie wieder zurück in den Alltag zu finden (BLICK berichtete).

In Düsseldorf, wo der Fünftklässler aus der Wohnung von Hilfskoch Werner C.* (35) befreit wurde, laufen die Ermittlungen derweil intensiv weiter. «Es gibt sehr viele Daten auszuwerten», sagt der deutsche Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück (53) zu BLICK. Auf dem PC des mutmasslichen Entführers wurden mehrere Terabyte Daten gefunden. Er soll mehr als 1000 Stunden in einem Spiel-Chat verbracht haben.

Die grösste Schwierigkeit für die Ermittler: «Der Beschuldigte ist sehr geschickt vorgegangen und hat seine Spuren im Internet verwischt.» Die Masche von Werner C.: Er soll sich zuerst als Webmaster einer Gruppe ausgegeben, dann mit den Kindern gechattet haben. Später, als er ihr Vertrauen gewonnen hatte, soll er sie aufgefordert haben, mit ihm auf eine andere Plattform zu wechseln – wie etwa auf Skype.

Was dann geschah, wissen die Ermittler noch nicht. «Erstens, weil der Mann schweigt. Und zweitens, weil Skype solche Gespräche nicht speichert und sie auch nicht mehr rückgängig gemacht werden können.» Zudem seien Abklärungen, die etwa über einen Server in Amerika laufen, schwierig. «Es braucht Rechtshilfegesuche und die dauern.»

Paul könnte nicht das einzige Opfer sein, das auf Werner C. reingefallen ist. Laut Nachbarn soll er noch andere Kinder nach Hause genommen haben. Bestätigt haben das die Ermittlungen aber noch nicht. Das Verfahren gegen Werner C. läuft nach deutschem Recht wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Ob es sexuelle Übergriffe gab, will Herrenbrück nicht beantworten. Bei der Befreiung von Paul habe man keine äusserlichen Verletzungen gesehen. Doch BLICK weiss: Die Ermittler haben Gründe, dass wegen schwerem sexuellen Missbrauch ermittelt wird.

Sicher soll inzwischen sein, dass Werner C. den Buben in der Schweiz abgeholt hat und mit ihm im Zug nach Düsseldorf gefahren ist. Dann sollen sie die ganze Zeit in der Wohnung geblieben sein. Und was hat Paul ausgesagt? «Das sage ich nicht», so der Oberstaatsanwalt. «Der Bub hat es genug schwer.»

* Namen der Red. bekannt

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