Deutscher Koch Werner C. (35) in Haft: Hat er Paul sexuell missbraucht?

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DÜSSELDORF –
Die Polizei stürmte die Wohnung von Koch Werner C. in Düsseldorf und befreit den 12-Jährigen aus dem Dachstock.

Seit acht Tagen wartete seine Familie in Gunzgen SO auf diese Nachricht. In der Nacht auf Sonntag traf sie endlich ein: Paul S.* ist gefunden, es geht ihm gut. Sofort packten die Eltern die Koffer und fuhren nach Düsseldorf (D). «Die Wiedervereinigung war von grosser gegenseitiger Freude geprägt. Heute ist ein guter Tag», sagte der Chef der Solothurner Kriminalpolizei, Urs Bartenschlager, gestern vor den Medien.

Eine Spezialeinheit der deutschen Polizei hat den zwölfjährigen Paul befreit. Sie stürmte in der Nacht auf Sonntag die Wohnung des 35-jährigen Kochs Werner C.* in Düsseldorf. Dort fand sie den vermissten Paul. Werner C. wurde verhaftet.

Der Tipp kam aus der Schweiz. Eine Sonderkommis­sion hat seit Pauls Verschwinden am 18. Juni mit Hochdruck nach ihm gesucht. Sogar das FBI half in dem Fall. Die Ermittler stiessen schliesslich auf einen Mann, mit dem Paul über ein Internet-Game Kontakt hatte.

Wie BLICK weiss, handelt es sich um das Spiel Minecraft. Auf einem Forum zum Spiel hatte sich Paul Ende Mai vorgestellt. Bis Samstag war nicht klar, wer sich hinter dem unbekannten Kontakt verbarg.

Was wollte Werner C. von Paul? Hat er Paul sexuell missbraucht? «Wir ermitteln auch in diese Richtung. Der Verdacht drängt sich auf, so wie das gelaufen ist», sagt der Sprecher der Düsseldorfer Polizei, Markus Niesczery, zu BLICK.

Werner C. war der Polizei wegen kleinerer Vermögensdelikte bekannt. Er wohnt seit über zehn Jahren in der Dachwohnung.

Seine Nachbarn waren ahnungslos. Ihnen fiel nur auf, dass Werner C. zuletzt niemanden in die Wohnung liess. Als es darum ging, gemeinsam den Keller aufzuräumen, habe er die Aktion durch eine Ausrede verschoben, schreibt der «Express». Ein Nachbar beobachtete jedoch, dass der Koch Kinder mit in seine Wohnung nahm und vorgab, «mit ihnen zu spielen».

Bis jetzt gibt es kein Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs. «Es zeichnet sich ein Bild ab. Wir müssen es aber noch ver­vollständigen», sagt Polizeisprecher Niesczery. Man habe bereits intensiv mit Paul im Beisein seiner Eltern ­gesprochen.

Noch sind viele Fragen offen. Denn zunächst gab es Hinweise, dass Paul freiwillig abgehauen sein könnte. So erzählte er he­rum, dass er am 18. Juni verschwinden würde und führte eine Strichliste mit den verbleibenden Tagen. Die Behörden machten auch keine Angaben, ob Paul überhaupt gegen sei-nen Willen in der Wohnung von Werner C. war. Trotzdem ermittelt die Solothurner Staatsanwaltschaft wegen Entführung. Da Paul unter 16 Jahre alt ist, gilt der Straf­tatbestand auch, wenn er sich scheinbar oder zunächst freiwillig bei jemandem aufhielt.

* Namen der Redaktion bekannt

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