Claude Longchamp über den SVP-Triumph: Die EU ist an allem schuld!

Angela Merkel an der EU-Flüchtlingskonferenz in Brüssel.

BERN –
«Die SVP hat sich während Jahren systematisch als Anti-EU-Partei aufgebaut», sagt Politikwissenschaftler Claude Longchamp. Die Lorbeeren dafür hat sie am vergangenen Wochenende geerntet.

«Die Skepsis gegenüber der EU ist der Hauptgrund für den Rechtsrutsch», sagt Politikwissenschaftler Claude Longchamp über die Wahlen vom vergangenen Wochenende. Die SVP sei die schweizerischste Partei von allen, in Migrations- und Wirtschaftsfragen oder der Sozialpolitik. Das Dach über allem sei aber die Position gegen die EU. Longchamp: «Die SVP hat sich während Jahren systematisch als Anti-EU-Partei aufgebaut.»

Das Asylchaos sei von grossen Teilen der Schweizer Bevölkerung als Versagen der EU interpretiert worden, ist Longchamp überzeugt: «Merkel machte einen Fehler und ist Schuld.» Diese «Europa ist böse»-Haltung sei eine wichtige Erklärung für den Erfolg der rechtsbürgerlichen Politik.

SVP suchte und fand Protestwähler

Weitere Stimmen kommen gemäss Longchamp von sogenannten Protestwählern. Bürgerinnen und Bürger, die sich normalerweise wenig für Politik interessieren, unzufrieden sind und mit ihrer Stimme für die SVP ein «So nicht!» deponieren: «Protestwähler sind in der Regel Nichtwähler die gelegentlich zu Protestwählern werden.» SVP-Präsident Toni Brunner habe einmal gesagt, dass dies die Kategorie der Wähler sei, die seine Partei suche, sagt Longchamp: «Und die haben sie auch gefunden.»

Nicht zuletzt das Musik-Video «Welcome to the SVP» habe Neuwähler mobilisiert, ist Longchamp überzeugt: «Ich finde es sehr gut gemacht und überhaupt kein Gaga-Wahlkampf. Gerade das nicht extrem politisch interessierte Publikum kann sich damit identifizieren.»

«Secondos» wählten links

Auch die Jungen, die zum ersten Mal an die Urne gingen stimmten eher national-konservativ (SVP 25, SP 22, FPD 17 Prozent). Longchamp: «Für sie ist die Einwanderung ein grosses Thema. Sie spüren die Konkurrenz früher und stärker als der Rest der Gesellschaft und zwar in den für sie entscheidenden Bereichen Jobeinstieg und Familiengründung.» «Secondos» hingegen hätten eher links gewählt.

Überrascht habe ihn nicht der Rechtsrutsch, sondern die Tatsache, dass so gut wie kein spannendes Duell zwischen Politgrössen stattgefunden habe: «Die Parteien haben Angst, dass es dem Gegner nutzt.» (ant)

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